Donnerstag, 22. November 2007
Dienstag, 6. November 2007
Religion und Vernunft
Heute habe ich einen bedenkenswerten Satz gehört.
[...]"Während hier alles erlaubt ist, was nicht gesetzlich verboten ist, verbietet der Islam alles, was nicht gesetzlich erlaubt ist."[...]
Daran schließt sich mir die Frage an, was denn der Islam, oder besser gesagt, die Schari'a erlaubt.
Der Frage konnte ich nicht befriedigend nachgehen, aber ich habe herausgefunden, dass die Schari'a das gültige Gesetzbuch in vielen muslimischen Ländern ist, speziell denen, die den sunnitischen Glauben glauben. Das stimmte mich noch nachdenklicher, denn die Schari'a fordert auch die Widersprüche kritiklos anzuerkennen, was für mich bedeutet, dass mit solchen Gläubigen keine Diskussion über Sinn und Unsinn der Religion an sich nicht möglich ist, denn für mich ginge es genau um die Widersprüche einer Religion, nicht, um sie als unsinnig abzustempeln, sondern viel eher, um zu erfahren, wie mit eben diesen Widersprüchen gelebt wird. Vielleicht ist es aber auch unsinnig eine Diskussion über Religion mit "unseren" weltlichen, von Aufklärung und dem selbstbestimmten Ich beeinflussten Werten zu führen. Aber genau diese Kluft ist mein größter Feind im religiösen Verständnis,aber dieses aufklärerische Gedankengut gefällt mir nun mal besser, denn es ist das einzige, was ich kenne und verinnerlicht habe, außerdem gibt es in diesem Denken keine übergeordnete Instanz, die über mich wacht und für mich sorgt und ich so wenigstens ein bisschen das Gefühl der Selbstbestimmung habe. Deshalb ist momentan einer meiner Leitsätze der Homo mensura Satz Protagoras:" Aller Dinge Maß ist der Mensch, der Seienden, wie sie sind, der Nichtseienden, wie sie nicht sind. Sein ist gleich jemandem erscheinen." Wobei ich an dem autonomen, selbstbestimmten Ich zweifele, denn ich bin ja nicht völlig isoliert von der Welt, also auch nicht von ihren Einflüssen, und die Welt ist nun mal voll mit anderen Menschen, deren Begegnung mich selbstverständlich beeinflusst, sei es direkt oder indirekt, bewusst oder unbewusst.
Samstag, 3. November 2007
Bemerkungen zum Humanismus
Da es eine Fülle von Auffassungen über Humanismus gibt, musste ich mich erst einmal für eine dieser Beschreibungen entscheiden. Für mich standen die von J.P. Sartre, mit dem Verweis auf die Eigenverantwortung des Einzelnen, und die von Erich Fromm, mit der zunehmenden Entfremdung und Unfähigkeit des Menschen zur Liebe zur Diskussion.
Ich werde mich in diesem Text auf beide Vertreter stützen und beziehen, da sie am ehesten meine Auffassung von Humanismus beschreiben. Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Erich Fromm:
„Haben wir aber mit dem ganzen Menschen in uns Kontakt, dann gibt es nichts Fremdes mehr. Es gibt kein Verurteilen anderer mehr aus einem Gefühl der eigenen Überlegenheit... Der Mensch steht heute vor der Wahl: Entweder wählt er das Leben und ist zur neuen Erfahrung von Humanismus fähig, oder die neue 'eine Welt' wird nicht gelingen.“
Der Begriff Humanismus ist sehr relativ. Jedoch grenzt er sich mit der Fokussierung auf die oben genannten Vertreter ziemlich ein. Mit dem Verlust der Fähigkeit zu lieben und dem mangelndem Interesse sich selbst kennenzulernen und sich selbst bestimmten, auch schmerzhaften Erfahrungen zu stellen, geht dem Menschen eine wichtige und essentielle Erfahrung des Lebens verloren. Damit kann einhergehen, dass dem Menschen die Fähigkeit zur Empathie, also der Fähigkeit sich in Andere einzufühlen, verloren geht. Das kann wiederum zu einem rüden und verständnislosen Umgang untereinander führen. Aber wie begegnet man solchen Menschen? Mit Verständnis und Empathie? Mir persönlich fehlt dazu oft der Wille und ich verstecke mich in meiner kleinen, „humanistischen Nische“. Ich stehe manchmal fassungslos da, wenn ich auf Menschen treffe, die meinen Vorstellungen von Menschsein überhaupt nicht entsprechen und drehe mich weg. Bin ich aber damit nicht genauso inhuman wie die Menschen, die ich dafür verurteile inhuman zu sein? In diesem Fall schützt Humanismus vor Garnichts, wenn nicht der Wille zur Veränderung der Verhältnisse oder wenigstens der Wille zum bewussten Kontakt und dem Auseinandersetzen auch mit solchen Situationen vorhanden ist. An dieser Stelle möchte ich J.P.Sartre zitieren:
„Es gibt kein anderes Universum als ein menschliches, das Universum der menschlichen Subjektivität. Diese Verbindung von den Menschen ausmachender Transzendenz- nicht in dem Sinn, wie Gott transzendent ist, sondern im Sinn von Überschreitung - und Subjektivität in dem Sinn, dass der Mensch nicht in sich selbst eingeschlossen, sondern immer in einem menschlichen Universum gegenwärtig ist, das ist es, was wir existentialistischen Humanismus nennen.“
Der Verweis auf die Eigenverantwortung des Einzelnen ist für mich einer der wichtigsten Grundsätze im menschlichen Zusammenleben. Denn nur wenn ich erkenne, dass ich alleine für mein Leben und Handeln zu verantworten bin, entfällt die Schuldzuweisung auf andere. So wird mir auch die Bequemlichkeit, nur mit dem Finger auf andere zeigen zu müssen, genommen. Dann fängt es an schmerzlich werden, denn dann muss ich mir darüber klar werden, was ich überhaupt vom Leben möchte und erwarte. Dann kommen das Suchen und das Überlegen nach dem Inhalt, der mich, wenn nicht für den Rest des Lebens, so doch zumindest bis zur nächsten Etappe führt, und mir wenigstens ein bisschen Zufriedenheit und Lebensfreude schenkt. Jetzt könnte der Einwand genannt werden, dass nicht alle Menschen in der Lage sind ihr Leben frei zu gestalten, weil es da kranke und bedürftige Angehörige oder ein Kind gibt. Diese Menschen lasse ich bei diesen Überlegungen außer Acht, denn sie leisten, ob aus Pflicht oder freiwillig, bereits einen großen humanistischen Beitrag. Jeder andere Mensch ist für sein Leben selbst verantwortlich und so hart es auch klingen mag, lässt sich jede Diskussion darüber auf diese einfache Aussage bringen. Es ist nicht der tyrannische Chef, der die Arbeit für mich unerträglich macht, sondern meine Unfähigkeit oder vielleicht auch die Angst diesen Umstand zu verändern. Ich war selbst mal in einem Unternehmen beschäftigt, in dem die Geschäftsführerin die Macht über alles und jeden hatte. Ich musste schmerzlich erkennen, dass es nicht die Geschäftsleitung war die für meine Situation verantwortlich ist, sondern, dass ich hätte gehen oder die Kollegen zu einer Arbeitsverweigerung bewegen müssen. Doch aus Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut und sozialem Abstieg habe ich alles gelassen wie es war.
Der Weg zur Erkenntnis der Mechanismen, die mich binden oder mich in unangenehmen Lebensumständen halten, ist für mich der erste Schritt, ein humanistischeres Leben zu führen. Ich glaube, ein denkender und verantwortungsbewusster Mensch wird ein Leben lang damit beschäftigt sein, seine Position und sein Handeln immer wieder zu reflektieren und zu nivellieren, denn es gibt kein universelles humanistisches Lebenskonzept, sondern immer nur Situationen und Entscheidungen.
Labels: geistige Aktivität
Trauer und Scham
Um einiges vorab zu klären, ich zähle heute den fünften Tag nach Trennung.
Heute bin ich das erste Mal alleine ausgegangen. Einerseits, um die Einsamkeit für einen Moment lang zu vergessen, andererseits, um die Einsamkeit zu überwinden. Ich stand also in der Disko und beobachtete Frauen, Männer und Pärchen. Dabei konnte ich(natürlich nur mit meinen Augen und aus meiner Perspektive) einiges interessantes beobachten. Ich sah Verzweifelte, Suchende und sich Gefundene. Die Suchenden und Verzweifelten waren weniger interessant, da ich selbst augenblicklich in ähnlicher Verfassung bin. Interessant waren die sich gefundenen. Sei es, erst an diesem Abend oder bereits länger. Ich beneidete sie alle. Es waren die liebevollen, kleinen Gesten, die sich gegenseitig zugeworfen worden und vor allem diese Sicherheit, die alle diese Leute ausstrahlten. Sie waren den Suchenden und Verzweifelten überlegen und das wissen sie auch, ob bewusst oder unbewusst. In jedem Fall strahlten sie dies aus, oder ist es nur mein getrübte Wahrnemung? Jedenfalls merkte ich, wie ein guter Freund von mir mal sagte, man merkt erst wie sehr man daran hängt, wenn der Strick reißt. Genauso fühlte ich mich und wollte ab da nur schnellstens weg von dort, denn ich fühlte mich derart deplatziert und falsch aufgehoben, dass ich dann tatsächlich unverzüglich aufsprang und weglief.
(Das eben beschriebene und erlebte ist unter Einfluss einer übermäßigen Menge Alkohol geschrieben und wahrgenommen. Also, vielleicht nicht, oder besser doch, ernstzunehmen)
Freitag, 2. November 2007
Zusammensein und persönliche Entfaltung
[...]Unter meinesgleichen sind tradierte Werte nicht aufrechtzuerhalten, und das zu Gunsten der persönlichen Entfaltung. Das ist eine schmezliche Erkenntnis, aber ein wichtiger Schritt zu echten Gefühlen und dem Zusammensein der Person wegen.[...]
Was soll dieser Satz bedeuten?
Folgendes:
So wie ich Bziehungen erlebt habe und sie auch( natürlich nur mit meinen Augen und aus meiner Perspektive) beobachte, sind sie zu einen nicht unerheblichen Teil von tradierten Werten untermauert. Nach dem Motto: Beziehung und Familie muss man schon haben. Dafür wird dann auch alles getan und die persönlichen Bedürfnisse werden hinten angestellt. Sei es, weil ein Kind da ist, das beide Eltern braucht oder einfach die Angst vor der Einsamkeit. Dann wird sich verbogen und Willen werden gebrochen und Träume aufgegeben. Nun kann man sagen, dass Familie und Kind ein ganz neues Erleben des Lebens bedeuten kann. Nur wenn man damit dann unglücklich ist und sich vielleicht auch garnicht mehr liebt, aber die unsichtbare Hand der Werte und die Angst vor dem Alleinesein einen dazu zwingt dieses Konstrukt aufrecht zuerhalten, weil der Handlungsspielraum der beteiligten Individuen es nicht anders zulässt, ist einiges ziemlich im argen und fürs Kindeswohl nicht unbedingt förderlich. Dann sind die Stützpfeiler der Beziehung Verachtung, Ignoranz und Abhängigkeit. Deshalb ist es wichtig Beziehungen auch mal zu hinterfragen und das "Glück" das man empfindet auf den Prüfstand zu stellen. Ich glaube, es gibt einen Punkt in jeder Beziehung, an dem man durchaus glücklich ist, aber trotzdem ebendieses Glück in Frage stellt, ob es das wirklich ist, oder ob mir etwas fehlt und es bei ehrlicher Betrachtung wirklich eine Zukunft hat. Das kann unter Umständen zu abenteuerlichen und überraschenden Ergebnissen führen und manchmal lässt es sich nur mit einem unerklärlichem Gefühl beschreiben, was sich nur schwer glauben lässt. Besteht aber ein respektvoller Umgang miteinander, der durch Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit charakterisiert ist, ist es durchaus verständlich und besser zu ertragen. Damit ist natürlich nicht der Trennungsschmerz genommen, aber es bleiben keine Fragen offen und kein ungutes Gefühl zurück. Der/die Andere wird dann nicht zum Hassobjekt, sondern man weiß, dass es richtig ist, weil man sich auch mag und alles andere, zum Beispiel die Beziehung, nur um den Anderen nicht zu verletzen, weiterzuführen, um dann irgendwann in eine ziemlich schräge Kiste zu verfallen, wäre nicht richtig.
Anmerkung(Ich benutze der Einfachheit halber nur die männliche Anrede, was nicht bedeutet, dass Frauen ausgeschlossen sind)
Sex isn't sold, Sex rules
Aus Einsamkeit und Angst vor dem Alleinsein habe ich mir heute mal spaßeshalber einige Leute im StudiVZ angeguckt. Dabei fiel mir bei einigen Menschen eine eindeutige Gruppenzugehörigkeit auf. Es ging um "Mal richtig übers Masturbieren reden" oder "Gruscheln ist doof! Ich will ficken".
Da habe ich mir einen weiteren Spaß erlaubt und mal bei der Gruppensuchfunktion ficken und masturbieren eingegben und mir kam der Schein, dass es ein reges Sexualleben im StudiVZ gibt. Das ist natürlich nur natürlich, eine der schönsten Sachen der Welt in den besten Jugendjahren zu leben und auch zu präsentieren und zu besprechen. Ich war dennoch ziemlich erstaunt, als ich dann auf Gruppen stieß wie zum Beispiel " Girl, dass lieber pervers an sich rumspielt, als langweilig zu masturbieren." Es gibt wirklich unzählige Gruppen mit den Begriffen ficken und masturbieren. Eigentlich eine schöne Entwicklung, aber es bleibt unbestritten, dass, wenn es nicht explizit gewünscht ist, dass nur Frauen Zugang zu der Gruppe haben, die Männer diese Gruppen dominieren. Ist das der Beweis für das Klischee, Männer wollen nur ficken, oder reden und bekennen sie sich eher dazu? Da ich als Mann auch böse über Männer denke, denke ich, den Männern wäre es am liebsten, wenn sie von Gruppenteilnehmerinnen Einladungen zu delikaten Spielchen bekämen. Vielleicht ist das auch eine Intention der Männer solche Gruppen zu gründen.

