Über das Erleben und Erlebte

Donnerstag, 31. Januar 2008

Was ist Freundschaft?

Kürzlich lehnte ein sehr guter Freund meine Bitte, mir ein Buch zu leihen, mit folgenden Worten ab: Jedesmal wenn ich irgendwem ein Buch leihe, bekomme ich es nie so zurück, wie ich es ausgeliehen habe.
Diese Formulierung veranlasste mich einmal mehr über Freundschaft und ihre Bedeutung nachzudenken.
Es ist nun nicht so, dass ich hinter dieser Formulierung etwas böses vermute, doch hier prallte mein Weltbild mit einem anderen zusammen. Im folgenden möchte ein paar Gedanken über dieses Weltbild verlieren.
In meiner Welt ist jemand den ich als guten Freund bezeichne und wir uns gegenseitig auch so verstehen nicht irgendjemand. Außerdem setze ich, ob gerechtfertigt oder nicht, als Freund gewisse Privilegien voraus, denn bei mir impliziert dieses vorausgesetzte Privileg, dass ich es zu würdigen weiß und möglichst nicht verspielen möchte. Bezogen auf das oben genannte Beispiel heißt das für mich, ich werde mit dem geliehenen Buch pfleglich umgehen und es natürlich so zurückgeben wie ich es erhalten habe. Aber vielleicht erwarte ich auch ein bisschen zu viel und in solchen Momenten kollidieren eben jene Erwartungen mit anderen Lebenslagen.
Freundschaft ist für mich mehr als ein sinnleerer Begriff. Ich habe dieser auch nicht so viele, aber die Menschen, die ich als Freunde bezeichne und umgekehrt, haben in meinem Leben eine besondere Position. In dieser, unserer schnelllebigen Welt bieten meine Freunde mir einen Anker und eine Stetigkeit, was nicht bedeutet, dass sich Beziehungen nicht dynamisch verhalten, sondern eine gewisse Grundsicherheit darstellen. Meine Freunde werten im gewissen Sinne mein Dasein auf, da ich alle meine Freunde sehr schätze und respektiere und auch respektiert und geschätzt werde. Bisher war es auch genauso. Freundschaft bedeutet aber keinesfalls ständige Harmonie oder, um es platter auszudrücken, nur FriedeFreudeEierkuchen, sondern eine Freundschaft zeichnet sich meiner Meinung auch durch Auseinandersetzungen aus, die aber zu einem gemeinsamen Ergebnis führen sollten. Es ist auch normal, dass man sich von Zeit zu Zeit nicht ertragen kann, aber es sollte die erwähnte Grundsicherheit nicht erschüttern. Zu den Auseinandersetzungen gehört es auch, dass man fair bleibt und verbal möglichst nicht entgleist, sondern eine Anstrengung unternimmt die richtigen Worte zu finden, denn das gebietet der Respekt vor der Person.
Freundschaft bedeutet auch Verantwortung und kein Mensch ist fehlerfrei und diese Verantwortung kann da manchmal störend im Weg sein. Ich bin sicherlich kein perfekter Freund, aber immer bemüht die Prinzipien, die ich hier postuliere, auch einzuhalten. Ich bin auch bereit Kritik zu erhalten und anzunehmen, nur setzt das die notwendige Kommunikation voraus.
Wie ich oben bereits erwähnt habe, kann es sein, dass ich zuviel erwarte und mein Bild von Freundschaft ein etwas verzerrtes ist, doch meine bisherige Erfahrung und Empfindung gibt mir das Gefühl, dass ich so falsch nicht liege. Aber es ist eben nur meine Empfindung und mein Kopf, der die Empfindung verarbeitet.


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